Advanced Landing Ground 

 

Mit dem Vorrücken der Alliierten ins Rhein Main Gebiet, das durch die Rheinüberquerung bei Nierstein (Oppenheim) durch die Truppen der 3. US Armee am 22. März 1945 eingeleitet wurde, nahmen die Amerikaner am 25. März zunächst Darmstadt ein. Am 26. März besetzten die Truppen den Flughafen Frankfurt a. Main.

 

 

Abb.1: Mit Pontons werden Panzer der 3. Armee über den Rhein auf die östliche Seite gebracht. Die Abbildung zeigt im Hintergrund Nierstein.

 

Bildquelle: Historical Military Records, NARA / FOLD3.COM

Ref.342-FH-3A19923-57397AC

 

Die Besetzung

 

Die amerikanischen Truppen rückten immer weiter vor, nach Aschaffenburg, Hanau und Frankfurt. Am Gründonnerstag, den 29. März 1945 war Frankfurt besetzt und die Truppen bewegten sich morgens weiter, von Höchst in Richtung Vordertaunus. Zur Mittagszeit hatten sie bereits Schwalbach erreicht und etwas später am selben Tag Kronberg. Über Widerstände, insbesondere von Soldaten des Flugplatzes Eschborn gibt es keine Aufzeichnungen. Man kann davon ausgehen das der Platz kampflos eingenommen wurde.

 

Durch die Auswertung intensiver Aufklärungsflüge der 8th USAAF, die zuvor am 23. März über dem Fliegerhorst durchgeführt wurden, wußten die Alliierten genau über den Zustand und die Aktivitäten auf dem Platz Bescheid.

 

 

 

Abb.2: Die Luftaufnahme zeigt den nördlichen Teil des Fliegerhorstes am 23. März 1945 kurz vor der Besetzung. Deutlich sind die vielen Bombenkrater auf dem Gelände zu erkennen.

Der Pfeil am oberen Bildrand zeigt die Kamera- Blickrichtung an, von der aus wenige Tage nach der Übernahme Farbfilmaufnahmen gemacht wurden, die ganz zu Beginn in Film 1 zu sehen sind. (Siehe USAAF Film 1). In dem Kreis steht ein zerstörter Lastensegler vom Typ Gotha Go 242. Mit #1-#5 sind die 5 Hangars gekennzeichnet.

 

Bildquelle: 8th USAAF, NARA 

 

Vom Fliegerhorst zum Advanced Landing Ground

 

Unmittelbar nach der Besetzung, wurde am Fliegerhorst Eschborn mit allen erforderlichen Arbeiten begonnen, um ihn für die 9th USAAF schnellstmöglich zur Unterstützung, für die in Süddeutschland noch andauernden Kampfhandlungen zu nutzen.

Die Aufgabe den Platz für Fighter-Bomber (F&B) entsprechend zu präparieren, übernahm das IX Engineer Command mit dem 825th Engineer Aviation Battalion (EAB). Das 832nd EAB war dafür verantwortlich das Gelände für Supply & Evacuation (S&E), also Versorgung & Evakuierung entsprechend einzurichten. Die Aufgabe den Platz auch für Transporte (TNSPT) auszubauen, übernahm das 859th EAB.

Sie begannen die Arbeiten am 30. März 1945 und bereits einen Tag später konnten die ersten Maschinen dort landen und der Platz konnte für die Versorgung, den Nachschub und Evakuierung genutzt werden.

Die Instandsetzung dauerte aber noch an, und das Gelände wurde bis zum 7. April weiter zum Advanced Landing Ground(ALG)ausgebaut. 

 

Abb.3: Vorbereitung des ersten Alliierten Flugfelds für die 9th USAAF auf deutschem Boden im März 1945.

 

 

 

Bildquelle: Historical Military Records, NARA / FOLD3.COM

Ref.342-FH-3A20096-57065AC 

 

Abb.4: Die Abbildung zeigt den üblichen Aufbau der Stahlmatten, zur Einrichtung von einem Flugfeld für die Alliierten. Das Bild wurde auf einem ehemaligen deutschen Flugfeld aufgenommen. 

 

Bildquelle: Historical Military Records, NARA / FOLD3.COM

Ref.342-FH-3A20109-C57429AC 

 

 

Auf der Landewiese entstand so nun eine ca. 1600 m lange und ca. 36 m breite Start- und Landebahn, die mit PSP (Perforated/Pierced Steel Planks) belegt war.

Bei der so angelegte Bahn wurde ein Einsinken der Räder, insbesondere von schweren Maschinen auf nassem Untergrund verhindert. Die Bombenkarter und größere Unebenheiten wurden mit Steinschutt der zerbombten Gebäude aus Frankfurt aufgefüllt, der dafür extra herangeschafft wurde. 

 

"Pierced Steel Planks" sind in Deutschland eher unter dem Begriff "Luftlandebleche" bekannt.

Entwickelt haben diese Bleche die Amerikanern und in großer Stückzahl für die Invasion vorbereitet. Vom 10.März bis 9.Mai 1945 wurden davon insgesamt mehr als 44.000 Tonnen verbaut. Auch heute kann man auf dem ehemaligen Flugplatzgelände noch Reste davon finden.(siehe Heute "Flugfeld" Abb.10c)

 

 

Der Fliegerhorst Eschborn war nun ganz in den Händen der Amerikaner, die ihn zu einem Advanced Landing Ground ausgebaut hatten und ihm die Bezeichnung ALG Y-74 Frankfurt/Eschborn gaben.

 

 

 

 

Abb.6: Auf diesem Bild aus dem Frühjahr 1945 sieht man den Hangar #5 bei der Übernahme durch die Amerikaner. Im Hintergrund ist der zu diesem Zeitpunkt noch 2-geschossigen Rundbau zu sehen. Im Abschnitt Heute "Hangar #5" Abb.1-3 sieht man den gleichen Gebäudeteil 71 Jahre später. Im Vordergrund rechts, den am schwersten getroffene Teil des Hangars.

 

Filmquelle: Youtube  

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus dem Film "Frankfurt am Main 1945". Die Darstellung auf dieser Webseite erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Christel Gass CHRONOS-MEDIA GmbH, chronos-media.de

 
Das Engineer Aviation Batallion kümmerte sich nicht nur um die Start- und Landebahnen, sondern auch um die Wiederherstellung und Reparatur noch vorhandener Gebäude, die zur weiteren Nutzung geeignet waren. Auch dieser Hangar wurde später notdürftig repariert.
 

Für die Kriegsgefangenen die bei den Aus- und Aufbauarbeiten helfen mußten, wurde eigens ein Lager eingerichtet. (siehe POW)

 

Der Flugplatz Eschborn im Vergleich zu Rhein Main

 

Neben Eschborn wurden auch viele andere Flugplätze der deutschen Luftwaffe von den Amerikanern besetzt und wieder in Betrieb genommen. So auch der Flugplatz Frankfurt Rhein Main. Er erhielt den Code Y-73 und wurde von der 840th EAB instandgesetzt. Er war eines der größten Flugfelder in Deutschland und mit vielen Bombenkratern übersät. Der Ausbau von Start- und Landebahn durch die Amerikaner, war mit 1820 m Länge und 45 m Breite nur unwesentlich länger und breiter als in Eschborn. Allerdings wurde die Bahn für schwere Bomber (H/B) geeignet betoniert, was entsprechend länger dauerte. Am 10. April 1945 war der Platz in Frankfurt dann soweit präpariert, dass er als Advanced Landing Ground einsatzfähig war.

 

Bis zu diesem Zeitpunkt war Eschborn der größte Platz im Rhein Main Gebiet und auch danach noch einige Zeit in Größe mit Frankfurt Rhein Main vergleichbar. (siehe Abb.7-8)

 

Abb.7 Luftaufnahme vom Flugplatz Frankfurt Rhein Main Y-73 vom 26.07.1945

Oben rechts auf dem Bild sieht man das Frankfurter Kreuz.

 

Bildquelle:

Records of the Defense Intelligence Agency, Record Group 373;

National Archives at College Park, Maryland

 

Abb.8 Luftaufnahme vom Flugplatz Eschborn Y-74 vom 26.07.1945

 

Bildquelle:

Records of the Defense Intelligence Agency, Record Group 373;

National Archives at College Park, Maryland

Der Aufbau der ALG für F/B oder H/B war im wesentlichen gleich. In der Mitte befand sich die Start- und Landebahn, und außen herum, wenn es die Platzverhältnisse zuließen, beidseitig die Rollbahn (Taxiway) und daran angeschlossen die Parkpositionen (Dispersal Areas) für die Flugzeuge. Bei genauerem Hinsehen kann man in Eschborn (Abb.8) auch einige Flugzeuge entdecken. Die 3 Hangars #3-#5 sind ebenfalls deutlich zu erkennen.

 

Als nächstes erfolgte der Ausbau zur Air Base. 

 

Quellen:

Air Force Combat Units of World War II, Maurer Maurer, Office of Air Force History Washington, D.C. 1983

ixengineercommand.com

Aviation Engineers Mobile Warfare, IX Engineer Command, James B. Newman JR. Brigardier General, U.S.A.

Schwalbach vor 70 Jahren, Schwalbachs Beschützer 27.03.2015 VON PETER LORENZ, kreisblatt.de

„Vorrücken der Alliierten und Einnahme von Darmstadt durch die US-Armee, 25. März 1945“, in: Zeitgeschichte in Hessen, lagis-hessen.de

Captains of Bomb Disposal 1942-1946, 28. April 2005 von T. Dennis Reece

Workin'on those AIRDROMES, An overseas report from the 923rd Engineer Aviation Regiment

The History of IX Engineer Command, From its beginning to V-E Day

chronos-media.de

youtube.com

The History of IX Engineer Command, From its beginning to V-E Day

National Archives at College Park, Maryland

Air Force Historical Research Agency (Maxwell AFB)USA, A0071

National Archives and Records Administration 

 

 

 

 

 

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